Lohnarbeit

Bevor man die Lohnnebenkosten wirklich verstehen kann, muss man das Konzept Lohnarbeit verstehen - und damit auch, wie Unternehmen Gewinne einfahren.

Lohnarbeit, Lohn und Lohnnebenkosten

Wie bekannt sein dürfte, müssen Menschen, die nicht über genügend Vermögen verfügen, um andere für sich arbeiten zu lassen, auf dem Arbeitsmarkt ihre Arbeitskraft verscherbeln. D.h. sie müssen jemanden finden, der sie anstellt, damit sie dann für ihn arbeiten. Angestellt wird man dabei nicht aus Menschenfreundlichkeit; nein, der Unternehmer / die Unternehmerin erwartet sich da schon was davon. Nämlich, dass die ArbeiterInnen und Angestellten für ihn / sie Gewinn erwirtschaften.

Lohn und Gewinn

Wer Anstellung findet, erhält einen monatlichen Lohn - für die Vermietung der Arbeitskraft. Während der Arbeitszeit, die im Vertrag vereinbart wurde, aber - wie Studien zeigen - trotzdem oft überschritten wird (Stichwort unbezahlte Überstunden), arbeiten die ArbeiterInnen und Angestellten unter dem Kommando des Unternehmens. Das heißt, ihnen wird gesagt, was sie wann zu tun haben und wie - daran hat man sich auch zu halten.

Unter diesem Kommando:

  • - programmieren z.B. ProgrammiererInnen Programme, die später vom Unternehmen weiterverkauft werden,
  • - erbringen sie auch Dienstleistungen, die vom Unternehmen weitervermittelt werden,
  • - oder schaffen sie materielle Güter, die dann weiterverkauft werden (vom Brot über das Haus bis zum Notebook).

Gewinn für das Unternehmen schaut dabei nur raus, wenn

  • - die ArbeiterInnen und Angestellten in ihrer Arbeitszeit mehr Wert schaffen,
  • - als ihre Arbeitskraft das Unternehmen kostet (Lohn).

Will ein Unternehmen also "rentabel wirtschaften" (das heißt: das angelegte Vermögen, auch "Investition" genannt, muss sich vermehren), dann muss es stets darauf achten, dass die Lohnkosten im Griff bleiben - denn Löhne sind prinzipiell Abzüge vom Gewinn. Der Wunsch der Unternehmen Löhne zu drücken, ist also aufgrund der Gestaltung dieses Systems grenzenlos.

Zur Steigerung des Gewinns kann man an folgenden Schrauben drehen, und jedes Mal kommt für die ArbeiterInnen und Angestellten das gleiche raus:

  • - Man kann die Arbeitzeit raufsetzen (mehr Stunden, z.B. unbezahlte Überstunden) bei gleichbleibendem Monatslohn oder
  • - Methoden ersinnen, um die Arbeitsintensität zu steigern (mehr Arbeit in einer Stunde, oftmals die Ursache von Burnout-Zusammenbrüchen), ebenso bei gleichem Lohn, oder
  • - gleich direkt Löhne drücken.

Bei diesen Methoden erbringen die ArbeiterInnen und Angestellten noch mehr Leistung für das Unternehmen - ohne mehr dafür zu erhalten; bzw. die arbeiten gleich viel, erhalten aber weniger Lohn. Das heißt, die ArbeiterInnen und Angestellten verarmen -

  • - erstens relativ, also ins Verhältnis gesetzt zu der immer größeren Menge an Gütern, die sie in ihrer Arbeitszeit herstellen
  • - zweitens noch dazu absolut, wenn nämlich die Löhne direkt gesenkt werden.

Lohn - lästige Bedingung für die einen; Existenzgrundlage für die anderen

Lohnkosten sind also für Unternehmen lästig - denn sie sind immer ein Abzug vom Gewinn; gleichzeitig aber notwendig - z.B. die von Veit Sorger (Industriellenvereinigung, Österreich) Vertretenen, könnten ja nie und nimmer die ganzen Güter, die sie verkaufen, selber schaffen. Also müssen sie Menschen finden, die bereit sind, das für sie zu machen. Und diese wiederum sind dazu nur bereit, weil sie sonst nichts haben, also über kein Vermögen verfügen, und daher unbedingt eine Einkommensquelle benötigen.

Für ArbeiterInnen und Angestellte ist relativ klar: Sie möchten lieber höhere Löhne. Weil nur über das Geld, das sie durch Lohnarbeit verdienen, können sie sich Essen und vieles mehr leisten.

Wir haben es also mit einem fundamentalen Interessensgegensatz zu tun:

  • - die Unternehmen wollen Löhne drücken, um noch mehr Gewinn einzufahren
  • - die Lohnabhängigen wollen höhere Löhne, ganz einfach weil das ihre Existenzbedingung ist, also ihr Leben davon abhängt.

Industriellenvereinigung, Wirtschaftskammer und viele Unternehmen machen keinen Hehl daraus, was sie wollen, was ihr Interesse ist. Nehmen wir, nur um ein Beispiel zu nennen, etwa folgende Aussage eines Vertreters der Industriellenvereinigung:

Bleiben die meisten Löhne gleich, bedeutet das in Wirklichkeit eine massive Lohnerhöhung und somit einen dramatischen Wettbewerbsnachteil gegenüber Niedriglohnländern.

Mit solchen Sprüchen machen die UnternehmerInnen und ihre Vertretungen klar, dass sie weitere Lohnsenkungen vorbereiten.

Die Sachen mit den Lohnnebenkosten

Nun zu den Lohnnebenkosten. In den letzten Jahren hat es sich durchgesetzt, dass UnternehmenvertreterInnen nicht mehr vom Gesamtlohn reden, sondern diesen - weil das propagandistisch besser zieht -, aufzuteilen in:

  • - Lohn und
  • - Lohnnebenkosten.

Diese Aufteilung ist eine rein künstliche. Jeder Unternehmer / jede Unternehmerin kalkuliert mit dem Gesamtlohn, zu dem auch die Lohnnebenkosten gehören.  Unter den Lohnnebenkosten versteht man die Beiträge des Unternehmens zur Sozialversicherung und Co.

Wer für Lohnnebenkostensenkung plädiert, plädiert schlicht und einfach für eine Lohnsenkung. Und das kommt nur den Unternehmen zugute. Denn wenn diese keine Beiträge mehr zu Sozialversicherung und Co. zahlen, dann müssen die ArbeiterInnen und Angestellten privat für diese aufkommen. Und da ihr Lohn durch eine Lohnnebenkostensenkung ja nicht erhöht wird, bedeutet das eine weitere Verarmung der ArbeiterInnen und Angestellten. Denn diese müssen dann vom gleichen Lohn ganz alleine die Beiträge zu Sozialversicherung, Krankenversicherung und Pensionsversicherung zahlen!

Bei dem ganzen Gerede von den Lohnnebenkosten und ihrer Senkung handelt es sich um die Propagierung von weiteren Lohnsenkungen. Man sollte daher als lohnabhängiger Mensch nicht auf die die Lohnnebenkosten-Ideologie reinfallen!